Heimat Westfalen Ausgabe 6/2024

HEIMAT WESTFALEN – 6/2024 / 21 Ähnliche Hoffnungen verbinden heute Kommunen in den (West-)Balkanstaaten mit ihren deutschen Städtepartnerschaften, seit ihnen die Beitrittsperspektive zur EU eröffnet wurde. Auch für deutsch-ukrainische Solidaritäts- und Städtepartnerschaften hat dieser Aspekt eine tragende Rolle. Des Weiteren können Partnerschaften zum Beispiel aus einem akutem Notfall (Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überflutungen) erwachsen, oder neuen kommunalen Schwerpunktthemen geschuldet sein wie etwa der Unterstützung des globalen Natur- und Klimaschutzes, deren Ausdruck beispielsweise die immer zahlreicheren Klimapartnerschaften insbesondere mit Akteuren im globalen Süden sind. DER PARTIZIPATIVE ANSATZ Erfolgversprechend ist der sogenannte Bottom-upAnsatz: Der Abschluss einer Städtepartnerschaft sollte dem formulierten Wunsch möglichst vieler gesellschaftlicher Gruppen einer Kommune folgen, also eine Initiative „von unten“ sein. • Welche Ziele werden mit der Städtepartnerschaft verfolgt? • Gibt es gemeinsame Schnittmengen zwischen den Kommunen und tragfähige strukturelle Gemeinsam- keiten beziehungsweise Ähnlichkeiten? • Mit welcher Art von Partnerschaft lassen sich die definierten Ziele erreichen? • Gibt es die Möglichkeit, auf Kreisebene zusammen- zuarbeiten? • Gibt es eventuell eine Nachbargemeinde, die in der gleichen Region eine Städtepartnerschaft hat? • Wie erfolgt die Finanzierung? • Wer muss eingebunden werden? HERAUSFORDERUNGEN UND CHANCEN Eine der zentralen Herausforderungen besteht in der Nachhaltigkeit und langfristigen Sicherung der Partnerschaftsprojekte, insbesondere wenn die Gründergeneration ausscheidet oder sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern. Der Trend, neue Städtepartnerschaften zu schließen, war in jüngster Zeit eher rückläufig. Gründe dafür waren unter anderem ein Sättigungseffekt, die wachsende Skepsis im Hinblick auf neue Verpflichtungen, fehlende Finanzen oder aber die Priorisierung von anderen Formen der Zusammenarbeit. Weitere Herausforderungen sind die oft hohe administrative Belastung, die mit der Antragstellung und Verwaltung von Fördermitteln einhergeht. Hier bietet die Broschüre der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften der Auslandsgesellschaft.de e. V. praktische Tipps und Checklisten, die Kommunen helfen, die Arbeit effizient zu gestalten und strukturelle Anpassungen vorzunehmen. NACHHALTIG NETZWERKEN Partnerschaften können durch neue Projekte oder thematische Netzwerke erweitert werden, sollten aber auch in schwierigen Zeiten – etwa bei politischen Konflikten oder Krisen wie einer Pandemie – resilient und zukunftssicher genug sein, um bestehen zu bleiben. Dafür gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Gemeinsam ist ihnen meist, dass sie die Partnerschaft auf breitere Füße stellen und in der Stadtgesellschaft und ihren verschiedenen Gruppen fester verankern. Für Schulen bieten Jubiläen, Gedenkjahre, europäische Schwerpunktjahre oder Events sowie Europawochen oder aktuelle europäische Themen eine Chance, nach Möglichkeiten zur Kooperation zu suchen und den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu geben, Städtepartnerschaften überhaupt erst kennenzulernen. Oft bestehen bereits Schulpartnerschaften – ob quer WISSEN TEILEN, ZUGÄNGE SCHAFFEN „Heimatvereine sind zunehmend offen für einen Diskurs, wie Heimat in einer globalisierten Welt eigentlich zu verstehen ist. Sie sind Experten in der Auseinandersetzung mit dem lokalen kulturellen Erbe. Städtepartnerschaftsvereine wiederum schärfen das Bewusstsein für die Einzigartigkeit der eigenen Gemeinde, ob es um lokale Bräuche, Spezialitäten, Bauwerke oder Naturdenkmäler geht – denn gerade diese gilt es ja, den Menschen aus den Partnerstädten näherzubringen.“ Wolfram Kuschke, Staatsminister a. D.

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