Heimat Westfalen Ausgabe 6/2024

20 / HEIMAT WESTFALEN – 6/2024 meinde, ob es um lokale Bräuche, Spezialitäten, Bauwerke oder Naturdenkmäler geht – denn gerade diese gilt es ja, den Menschen aus den Partnerstädten näherzubringen. Als ehemaliger Europaminister für Nordrhein-Westfalen hat Kuschke selbst seinerzeit die Regionalpartnerschaft mit der nordfranzösischen Bergbau- und Industrieregion Hauts-de-France angestoßen, die bis heute von rund 90 Kommunalpartnerschaften getragen und gelebt wird und zahlreiche Projekte zur Erschließung der gemeinsamen Vergangenheit hervorgebracht hat. Aus eigener Erfahrung weiß er: „Oft sind es die Menschen mit mehreren Vereinsmitgliedschaften, die zu Botschafterinnen und Botschaftern zwischen ihren verschiedenen Vereinen werden, aber auch zwischen ihrem Verein und ihrer Schule, ihrer Firma, der Universität, dem Stadtrat, der Kirche oder Moschee. Solche Multiplikator-Funktionen sind sehr wertvoll.“ Dr. Silke Eilers stellte auf dem Praxistag Städtepartnerschaften 2024 den WHB e. V. vor und erläuterte anschaulich, welche Chancen und welcher Mehrwert sich aus Kooperationen zwischen Städtepartnerschaftsvereinen und Heimatvereinen ergeben können. Beide stärken das solidarische Miteinander und agieren auf unterschiedlichen Ebenen als Plattform für Wissenstransfer und kulturellen Austausch. Heimatvereine KULTUR VERBINDET! können im Rahmen von Städtepartnerschaften mit ihrer Expertise lokale und regionale Spezifika vermitteln und einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. FORMEN DER INTERNATIONALEN ZUSAMMENARBEIT Am Anfang erfolgreicher Partnerschaften stehen heute meist strategisches Nachdenken sowie handfeste und aufwendige Recherche- und Netzwerkarbeit. Partnerschaften können auf vielfältige Weise gestaltet werden, je nach den Interessen und Ressourcen der beteiligten Städte, beispielsweise als Städtepartnerschaften, Projektpartnerschaften, Ringpartnerschaften oder Teilnahme an lokalen und globalen Städtenetzwerken. Die Anzahl der Partnerschaften pro Kommune orientiert sich am Interesse der Bevölkerung, an der Internationalität der Kommune sowie an den verfügbaren Ressourcen und ist daher von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. STÄDTEPARTNERSCHAFTEN IN NRW Städtepartnerschaften sind in Nordrhein-Westfalen fest verankert und reflektieren den Willen, über nationale Grenzen hinweg Freundschaften und Kooperationen zu etablieren. Sie sind gelebte kommunale Diplomatie, welche in Zeiten wachsender globaler Herausforderungen eine wichtige Rolle spielt. Durch Städtepartnerschaften können Städte ihre lokale Bevölkerung für internationale Anliegen sensibilisieren und sich aktiv in der Gestaltung europäischer und globaler Themen einbringen. Fast 90 Prozent der NRW-Partnerschaften bestehen bisher mit europäischen Partnerstädten. Nordrhein-Westfalen ist durch seine Bevölkerungsgröße, seine internationalen Verbindungen und seine Rolle als wichtiger Industriestandort bei Kommunen im Ausland als Standort für neue Städtepartnerschaften gefragt. STÄDTEPARTNERSCHAFTEN GRÜNDEN – ABER WIE? Neue Partnerschaften einzugehen war und ist oft auch eine Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen, wie etwa bei der deutschen Wiedervereinigung, als neu gegründete deutsch-deutsche Städtepartnerschaften unter anderem dem Ziel dienen sollten, den ostdeutschen Kommunen unterstützend zur Seite zu stehen. Dr. Silke Eilers und Wolfram Kuschke, Staatsminister a. D., im Gespräch anlässlich des Praxistag Städtepartnerschaften Foto/ © Pascale Gauchard, Auslandsgesellschaft.de e. V.

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