HEIMAT WESTFALEN – 6/2024 / 19 WISSEN TEILEN, ZUGÄNGE SCHAFFEN Pfundheller ist Leiter der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften in der Auslandsgesellschaft in Dortmund, einem klassischen Verein, der mit Kultur, Sprachen und politischer Bildung international Brücken baut. Mit seiner Begeisterung für Städtepartnerschaften ist Pfundheller nicht allein: Über tausend Städtepartnerschaften gibt es allein in Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 400 Kommunen, die Zahl der Städtepartnerschaftsvereine liegt bei rund 500. Wie viele Menschen in diesem Feld ehrenamtlich aktiv sind, darüber gibt es jedoch bislang keine gesicherten Zahlen. Fest steht: Sie sind eine feste Größe in unseren Städten und Gemeinden, denn sie bringen internationale Perspektiven in ihre Heimat ein. Städtepartnerschaften erlauben den direkten Austausch mit der Lebenswirklichkeit, den Herausforderungen, den Erfahrungen und dem Wissen der Menschen in den Partnerstädten weltweit. Dabei bieten die Austausche, Formate und das Engagement an sich eine Vielzahl von Bildungsmöglichkeiten – von Sprachkenntnissen über Projektarbeit bis hin zum Demokratieverständnis, darüber hinaus jedoch auch die Möglichkeit, sich mit der eigenen Stadt und ihrer Kultur und Historie auseinanderzusetzen und sich stärker mit ihr zu identifizieren. Kein Wunder also, dass die zentrale Netzwerkstelle für Städtepartnerschaften in Nordrhein-Westfalen unter dem Dach der Auslandsgesellschaft gerade im Institut für politische Bildung verortet ist: „Städtepartnerschaften sind politische Bildung par excellence“, so Pfundheller, „und die Rolle der Identität ist dabei kaum zu unterschätzen.“ ZIVILGESELLSCHAFT INITIIERT STÄDTEPARTNERSCHAFTEN Dabei ist die Gruppe der Engagierten in Städtepartnerschaften besonders vielfältig: Vereine, Schulen, Glaubensgemeinschaften oder Sportvereine sind ebenso dabei wie Diaspora-Organisationen von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die Freiwillige Feuerwehr, Musikvereine sowie Heimat- und Kulturvereine. So geht ein Großteil der von deutschen Kommunen initiierten Städtepartnerschaften auf die Tatkraft von „engagierten Aktiven“ zurück. Dazu braucht es aber nicht unbedingt immer Vereine oder ähnliche Strukturen. Aber oft erleichtern solche Zusammenschlüsse die Zusammenarbeit und helfen dabei, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen und klare Ansprechpersonen zu bestimmten Fragen zu benennen. „Gerade für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte können Städtepartnerschaften Schlüsselerfahrungen bieten“, so Wolfram Kuschke, Kuratoriumsvorsitzender der Auslandsgesellschaft, der lange Zeit auch der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen vorstand. Sie können ihnen eine Brücke in die alte Heimat bieten und sie dabei zu gefragten und kompetenten Kulturvermittlern in beide Richtungen machen. „Wir haben im Kompetenzteam ,Städtepartnerschaften und europäische Zivilgesellschaft‘ der Auslandsgesellschaft bereits 2017 ein sehr spannendes und erfolgreiches Projekt zu Städtepartnerschaften und ihrem Potential im Bereich Migration und Integration angestoßen“, so Kuschke, der dazu bereits in der Heimat Westfalen 3/2018 berichtete. Bereits damals sei ihm das große Potential aufgefallen, welches in der Zusammenarbeit zwischen Heimatvereinen und Städtepartnerschaftsvereinen besteht. Heimatvereine seien zunehmend offen für einen Diskurs, wie Heimat in einer globalisierten Welt eigentlich zu verstehen sei. Sie sind Experten in der Auseinandersetzung mit dem lokalen kulturellen Erbe. Städtepartnerschaftsvereine wiederum schärfen das Bewusstsein für die Einzigartigkeit der eigenen Ge- „Völkerverständigung gewinnt in Zeiten multipler Krisen, wie wir sie heute erleben, zunehmend an Bedeutung. Das Verbindende zwischen den Nationen zu sehen, es zu erhalten und zu pflegen, ist Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben in der Welt. So sind Partnerschaften auf lokaler Ebene ein lebendiger Ausdruck gegenseitiger Achtung, der Wertschätzung, der Unterstützung und des freundschaftlichen Miteinanders.“ Dr. Kai Pfundheller, Leiter der Netzwerkstelle Städtepartnerschaften
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