HEIMAT WESTFALEN – 5/2023 / 25 HEIMAT WESTFALEN – 6/2024 WISSEN TEILEN, ZUGÄNGE SCHAFFEN digitalen Raum sein können, um Erfahrungen und Erlebnisse zu ermöglichen. Die Menschen verlegten ihre Aktivitäten nach draußen und erkundeten auf ganz neue Art und Weise ihre Region. Seither versucht man vielerorts „nachzurüsten“ und Informationen über Historisches, Menschen, Gebäude und Geschichte auch personenunabhängig und zeitlich flexibel bereitzustellen. QR-Codes und Audiodateien beispielsweise werden inzwischen häufig als Hilfsmittel genutzt, um lokale Geschichte zu vermitteln. Sie können Menschen digital und ortsungebunden etwas über die eigene Heimat erzählen – wann immer es gewünscht ist. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die digitale Rekonstruktion der Burgruine Limberg in Preußisch Oldendorf. Von der Burg stehen heute nur noch Teile des Bergfrieds und einige Mauerreste. Mit Hilfe historischer Aufzeichnungen und unter Berücksichtigung der Topografie konnte der Zustand der Burg im 16. Jahrhundert als 3D-Modell wiederhergestellt werden. Dabei kamen bauliche Details ans Licht, die bisher in der Forschung unbekannt waren – ein spannender Beitrag zur regionalen Geschichtsforschung. KULTURELLE ORTE MITEINANDER VERBINDEN Die erleben.app verfolgt seit dieser Zeit einen spannenden Ansatz: Heimat-Angebote sollen nicht nur lokal wirken, sondern auch touristisch gedacht werden. Warum? Weil das sowohl den Kommunen als auch den engagierten Ehrenamtlichen zugutekommt. Kulturorte werden sichtbarer, Städte und Gemeinden als touristische Ziele attraktiver. Die Idee, verschiedene kulturelle Orte lokal in einer gemeinsamen Kultur-App zu verknüpfen, eröffnet neue Möglichkeiten, ganze Regionen zu entdecken. Regionale Träger (Kommunen, Tourismusverbände, Dachverbände et cetera) erhalten eigene, lokal angepasste Kultur-Apps auf Basis des erleben.app-Systems. Hier können touristische Highlights übersichtlich präsentiert werden. Vereine und Kulturträger bekommen eigenständige Apps, die ebenfalls über das System erstellt werden. Diese individuellen Kultur-Apps werden vom Entwickler kostenlos in die kommunale App integriert. So entsteht ein regionales Netzwerk, das die Vielfalt der Kulturakteure sichtbar macht und die Region gezielt für den Tourismus erschließen kann. Themen wie Naturschutz, regionale Wertschöpfung oder Baukultur können entsprechend ihrer regionalen Gewichtung behandelt werden. Aber auch Projekte der Erinnerungskultur sowie regionale Wissensbewahrung können mit dem System abgebildet werden. Gleichzeitig können touristische Aktivitäten erfasst und mit der Kommune geteilt werden. Heimathäuser, Museen, Burgruinen, Friedhöfe, Kirchen und andere touristische Highlights wurden so bereits digital zugänglich gemacht. Die berühmten Mühlen des Mühlenkreises Minden-Lübbecke erhielten 2024 eine gemeinsame Plattform und wurden so zum größten „digitalen Freilichtmuseum” Deutschlands. Die Initiative aus Destel wuchs zu einem umfangreichen System mit vielen unterschiedlichen Modulen, das mittlerweile auch gewerbsmäßig angeboten wird. Rekonstruktion des Bauzustands der Burg Limburg im 16. Jahrhundert als 3D-Modell Grafik/ preussischoldendorf.erleben.app/burg-limberg (abgerufen am: 14. November 2024)
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