HEIMAT WESTFALEN – 6/2024 / 15 WISSEN TEILEN, ZUGÄNGE SCHAFFEN ermöglichen durch die stabile Position des Smartphones und gute Ausleuchtung der Objekte scharfe und unverzerrte Aufnahmen. Allerdings sind solche Lösungen in der Farbechtheit begrenzt und daher nicht für die Digitalisierung von Fotografien geeignet, für Schriftgut je nach Anspruch aber ausreichend. Ein weiterer Vorteil der Smartphone-basierten Digitalisierung ist die Möglichkeit, die Daten direkt in eine Cloud zu übertragen, was beispielsweise eine einfache Integration von KI-basierten Transkriptionsdiensten ermöglicht. Ein Nachteil sind die günstigen und wenig nachhaltigen Materialen der Produkte, weshalb diese eine intensive Nutzung vermutlich nicht jahrelang durchhalten werden. Ein weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit vom verwendeten Smartphone, welches über eine relativ gute Kamera verfügen sollte. Vor der Digitalisierung mit dem Smartphone ist darauf zu achten, in den Kameraeinstellungen die höchstmögliche Auflösung zu wählen, Farbfilter auszuschalten und das Standardformat JPEG auszuwählen. Mit aktuellen Smartphones können nur Nutzungsdigitalisate (JPEG), jedoch keine Masterdigitalisate (JPEG2000 oder alternativ TIFF) erstellt werden. In der Regel ist auch keine Dateinamenvergabe nach Vorgabe möglich, sodass alle Digitalisate händisch (Stapelverarbeitung ist zu bevorzugen) in der Benennung nachträglich angeglichen werden müssen. ARCHIVALIEN SINNVOLL REDUZIEREN Relevant für kommende Generationen im Ehrenamt ist vor allem die Nachvollziehbarkeit, Auffindbarkeit sowie Zuordnung von Archivalien, sei es digital oder analog. Mitunter kann im Zuge der Übernahme und Archivierung von Unterlagen auch etwas aus der Sammlung entfernt werden („Kassieren“ genannt), da das Material unvollständig, in sehr schlechtem Zustand oder bereits in mehrfacher Ausführung vorhanden ist. Auch im Nachhinein können sogenannte Nachkassationen von bereits verzeichnetem Sammlungsgut durchgeführt werden. Solche Aktionen sollten aber nachvollziehbar dokumentiert werden. Eine Sammlung, auch eine ehrenamtlich betreute, sollte durch Qualität und nicht Quantität überzeugen. Basis für das „Entsammeln“ sollte immer das berechtigte Interesse der Menschen vor Ort und der Einrichtung Nutzung von Scanzelten oder Fotoboxen mit einem Smartphone Foto/ WHB/Hoffschulte selbst sein, darüber hinaus der langfristige Zweck und das Ziel der (Auf)Bewahrung und Ausstellung der Archivalien sowie deren Einzigartigkeit im lokalen und kulturellen Kontext. Hier gilt es, wie oben beschrieben zu überlegen: • Hat der Verein amtliches Schriftgut in seinem Archiv, das eigentlich in das zuständige Kommunal- archiv gehört? • Sind lokale, regionale oder selbst produzierte Publika- tionen bereits in der ULB Münster nachgewiesen und verzeichnet worden? • Wurden in den vergangenen Jahrzehnten Zeitungs- ausschnitte gesammelt und aufbewahrt, die entwe der im Archiv der Lokalzeitung, im Kommunalarchiv oder aber im Portal zeit.punktNRW auffindbar sind? • Besitzt der Verein Fotosammlungen oder audiovisuel- le Medien, die noch nicht digitalisiert, aber von über- regionaler Bedeutung sind, sodass sie interessant sein könnten für eine fachgerechte Digitalisierung und Ver- wahrung im LWL-Medienzentrum für Westfalen? • Glasplattennegative sind auch trotz ihres hohen Alters detailreich und hervorragende visuelle Zeugnis- se ihrer Zeit. Wenn Glasplattennegative Teil des Bestandes sind, lohnt sich in jedem Fall die Kontakt- aufnahme zum LWL-Medienzentrum für Westfalen.
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